Die Mitte ist Ausgangspunkt und Ziel jeder Entwicklung.

 

Lebensbogen

Das Leben ist nicht Einheit, sondern Widerspruch,
es ist nicht Perfektion, sondern Entwicklung.

 

Der Weg als Zuhause

Innen und unten
außen und oben -
bleiben und fallen
schreiten und steigen

Nie Stillstand
immer unterwegs -
das Ziel als Aufbruch,
der Aufbruch als Ziel

Wiederholung wird Entwicklung,
im Kontrast ist Harmonie -
Ruhe beschwert
Wechsel wirkt Wert

 

Die verpasste Chance

Ein junger Mensch hatte die besten Voraussetzungen für die Entwicklung seiner individuellen Talente. Er begnügte sich jedoch mit dem Genuss dessen, was ihm die Welt der Sinne bot und vernachlässigte nicht nur die Pflege und das Wachstum seiner inneren Anlagen, sondern verleugnete sogar deren Existenz. Als er nach seinem Tod mit dem Ergebnis seines Lebens konfrontiert wurde, bot sich ihm das Bild eines verkrüppelt gebliebenen Bäumchens, das ohne Früchte geblieben ist, während sich ihm gleichzeitig die Vision eines blühenden und früchtetragenden Baumes bot, der aus seinem Leben hätte wachsen können. Als er dies sah, nahm er sich vor: „Wenn ich noch einmal die Gelegenheit habe, werde ich alles besser machen!“ Doch dann hörte er eine Stimme sagen: „Das hast du das letzte Mal auch gesagt!“


Zwei Wahrheiten

Die eine Wahrheit ist,
dass jeder Mensch sterblich ist,
die andere Wahrheit ist,
dass er dabei doch ewig lebendig bleiben kann.

 

Das Neue

Ein Neues wartet in der Nacht,
bis dass es an das Licht gebracht,
da kommt ein junger Mut vorbei
und setzt es aus dem Dunkel frei.

Ein Altes hört von dieser Pracht
doch statt zu staunen wird gelacht,
da weiß der rechte Mut des Jungen,
das neue Werk ist gut gelungen.

Moral:

Alles Neue wird verlacht,
eh zwölf Jahre sind vollbracht.

 

 

Zufriedenheit

Die Jungen sind nicht zufrieden,
weil sie noch nicht alles haben,
die Alten sind nicht zufrieden,
weil sie nicht mehr alles haben –
und oft sind auch diejenigen nicht zufrieden,
die das haben, was den Jungen und den Alten fehlt.

*

Wenn wir das Neue mit alten Augen betrachten,
wandeln wir es in Altes,
wenn wir das Alte mit neuen Augen betrachten,
können wir es in Neues verwandeln.

*

Wenn wir in der Mitte zwischen Altem und Neuem
aus der Kraft der Wandlung heraus leben,
behält das Alte seinen Wert,
ohne dass das Neue seinen Reiz verliert.


Dürre

 

Wenn im Kopf die Bilanz nur denkt
und nur das zählt, was nützt,
wenn nur das Sichtbare uns lenkt
und nur das gilt, was stützt,

 

dann verstummt in uns das Lied
des Zaubers unseres Seelenkinds.
dann trocknet aus die Fantasie
des freien Spiels des Herzenslichts.